Fazit der Vorrunde

Deutschland steht im Achtelfinale. Das absolute Minimalziel ist erreicht, alle sind ersteinmal glücklich. Und das nächste große Spiel steht schon fest. England ist der nächste Gegner unserer Nationalelf. Zu früh, leider. Franz Beckenbauer hat schon recht, wenn er den Engländern Blödheit vorwirft, dass sie nicht Erster in ihrer Gruppe geworden sind. Deutschland gegen England ist eigentlich eine Halbfinalpartie. Aber sei es erstmal drum.
Unsere Kicker haben während der Vorrunde ein ambivalentes Bild hinterlassen, wobei allerdings die positive Seite überwiegt. Australien wurde 4 zu 0 fertiggemacht. Und da mag man auch noch so oft die durchaus stimmige Aussagen tätigen, Australien wäre kein guter Gegner gewesen. Aber gerade im ersten Spiel muss man auch erstmal ins Turnier fnden und so überzeugen. Das haben 90 Prozent aller anderen Mannschaften nicht gemacht, unter anderem die Engländer.
Dass es gegen Serbien nicht geklappt hat, ist schade, weil durch einen Sieg hätte man sich das Sechzehntelfinale gegen Ghana sparen können. Allerdings habe ich hier die beste deutsche Leistung bisher gesehen, mit 10 Mann drückend überlegen.
Das Spiel gestern gegen Ghana ist der Grund warum ich von einem ambivalenten Bild spreche. Keine Frage, das Ergebnis ist verdient, allerdings haben sich ein paar Schwachpunkte aufgetan. Allen voran ist da Per Mertesacker zu nennen. Eigentlich musste man sich, wenn es um die Innenverteidigung ging, noch nie sorgen um ihn machen. Aber mit Beginn des Turniers (und teilweise schon in der Bundesligasaison) kamen die Schwächen des Bremers mehr und mehr zum tragen. Er wirkt langsam, irgendwie steif und sein einstmals so gutes Stellungsspiel scheint er völlig vergessen zu haben. Ich hoffe er nimmt sch in den nächsten Spielen ein Beispiel an seinem Nebenmann Arne Friedrich, der die positive Überraschung des Turniers ist.
Sorgen mache ich mir auch um Lukas Podolski. Im ersten Spiel überragend im zweiten glücklos, im dritten nicht existent. Nichts ging über seine Seite und auffällig wurde er nur, als er Hans Sarpei ins Reich der Träume schoss. Ich hoffe, dass sich diese Serie nicht fortsetzt.
Ein weiterer Kritikpunkt lässt sich mit Abstrichen auch an Cacau festmachen. Ich denke er ist die perfekte Besetzung für den Joker, aber ihn von Anfang an zu bringen, halte ich für keine gute Idee. Ein Gomez hätte sicherlich gestern mehr ausgerichtet, ungeachtet aller Märchen, die immer erzählt werden, Gomez träfe in der Nationalmannschaft nicht.
Aber geschenkt, Miro Klose ist ja zum Glück wieder dabei und wird, darauf leg ich mich fest, mindestens einen Treffer erzielen.
Sorgen macht einzig die Verletzung von Bastian Schweinsteiger. Allerdings sind bei Teammanger Bierhoff "die Hoffnungen groß", dass er wieder dabei sein wird. Was bleibt auch sonst, ein Ausfall Schweinsteigers ist nicht hinzunehmen und der größte Verlust, der zu erleiden wäre.
Sollte er aber fit werden, Mertesacker sich seiner Stärken besinnen und Klose wieder stürmen, dann dürfte einem erneuten englischen Trauma nichts mehr im Wege stehen.

Eine Mannschaft mit demselben Hauch von Ballerinas wie von Bulldozern!

4 Stunden währte meine Freude über den überragenden 4: 0 Sieg einer glänzend aufgelegten deutschen Nationalelf. Danach kam ich dann dazu meinen Laptop anzuschmeißen und Berichte und Kommentare zu lesen. Es ist einfach nicht zu glauben, wie die deutsche Presselandschaft arbeitet. Vor dem Spiel wird gesagt, dass alle überzeugenden Testspiele nichts gelten, weil nur gegen schwache Teams getestet wurde. Es werde sich erst gegen Australien zeigen, wie gut die Mannschaft ist. Wie gut sie ist, dass haben Schweinsteiger und Co gestern eindeutig gezeigt. Und nun ist Australien auf einmal ein schwacher Gegner, kein Maßstab, man solle das 4:0 nicht überbewerten.
Ja, aber bitte liebe Herren (und Damen). Wann seid ihr verflucht nochmal zufrieden? So langsam bekommt man das Gefühl, dass selbst ein 3:0 Finalsieg gegen Brasilien nichts zählen würde. Vermutlich würde dann gesagt, dass Brasilien sowieso nicht das beste Team mehr ist usw. Nicht zum Aushalten.
Zum Spiel an sich muss nicht mehr viel gesagt werden. Jeweils einmal trafen Podolski, Klose (KLOSE, ja, das ist der dem garnichts mehr zugetraut wurde), Müller und Joker Cacau. Australien hatte eigentlich nie eine Chance, spätestens dann nicht mehr, als Cahill in der 56. Minute vom Platz flog. Ein rotwürdiges Foul habe ich zwar nicht gesehen, aber was solls.
Wenn man positive Berichterstattung heute lesen wollte, musste man schon auf die internationale Presse ausweichen.
So sagte die englische Daily News:
Diese Vuvuzelas sind nur ein Zehntel so nervig wie der Gedanke, dass Deutschland wieder ins Finale kommen wird.

The Sun berichtet:
Deutschland brachte Licht in die Weltmeisterschaft, als es in der letzten Nacht eine wahrhafte Fußball-Lehrstunde erteilte. Und es vervollständigte ein Wochenende voller Elend für alle englischen Fans.

In Spanien macht man sich auch schon in die Hose:
Dieses neue Deutschland ist ein Skandal! Deutschland blendete bei seinem Coming-Out in Südafrika. Das ist eine andere deutsche Mannschaft, die den Ball will und ihn mit Sorgfalt behandelt. Sie spielen Fußball mit Violinen.

Frisches Blut, alte Tugenden! Mit Özil als Taktgeber offenbarte Deutschland eine Erneuerung, die attraktiver und so wettbewerbsfähig wie immer macht. Mit Jugend und einer Vision ist Löws Team eine neue Art von Raubtier, befeuert durch ein legendäres Trikot und dem Emblem von fanatischer Wettbewerbsfähigkeit.

Der sympathischste Kommentar kommt aus Frankreich von der L'Equipe:
Tore, Leistung und Sieg! Deutschland hat es geschafft, Freude und Profit ebenso wie Fair Play und Effizienz zu verbinden. Und das ganz zur Freude von Trainer Joachim Löw und lasst uns das klar sagen auch der Fußball-Liebhaber, die von den bisherigen Spielen der WM frustriert waren.

Ähnliche weitere Kommentare dieser Art kommen aus Australien, Italien und der Schweiz.
Ich mein, ich verlange ja keine überschäumdende Berichterstattung, aber es wäre schön, wenn nicht immer alles gleich relativiert wird und man nie zufrieden ist.
Jetzt freu ich mich erstmal auf die Pressekonferenz in 10 Minuten. Da darf dann Jogi Löw auch ein wenig relativieren. Er muss ja auch dafür sorgen, dass unsere Jungs nicht abheben ;-)

Viel nichts Neues

Das war sie nun, die erste Pressekonferenz aus dem Lager der deutschen Mannschaft im Grand Velmore Hotel in der Nähe von Pretoria. Zu erst die gute Nachricht: Es gibt keine schlechten Neuigkeiten, ehrlich gesagt gibt es noch garkeine. Aber nach circa 24 Stunden im Hotel ist das ja nicht verwunderlich. Einzig der gute Empfang und die T-Shirts mit der Aufschrift "yebo" (Zulu für "ja") wurden erwähnt. Das yebo soll primär ein ja zur WM in Südafrika und den Menschen sein, zum anderen ist es aber auch ein ja, das Deutschland Weltmeister wird.
Zu erst stellte sich Teamarzt Prof. Dr. Tim Meyer den Fragen der Journaille. Es ging um mögliche Akklimatisationsschwierigkeiten aufgrund der Höhe, die die deutschen Spieler zu erleiden hätten. Hier konnte der Teamarzt jedoch Entwarnung geben. Kein Mitglied der DFB-Delegation beklagte sich in der ersten Nacht über irgendwas. Weiter gab er bekannt, dass die normale Akklimatisation an die Höhe ungefähr 3-4 Tage dauere und dass danach nicht mehr zu spüren sei. Also alles halb so wild.
Auf die Fitness der Spieler gefragt, sagte er, sie seien in einem extrem guten Zustand und bestens für das Turnier gerüstet.
Nicht viel interessantes sagte er zwar, aber auf die medizinischen Fragen antwortete er stets kompetent.
Arne Friedrich, der als nächstes hinters Mikro trat, bestätigte dann nochmal die fast sichere Vermutung, dass er neben Per Mertesacker im ersten Spiel in der Innenverteidgung spielen werde.
Bemerkenswert hier war, dass er sagte, dass die Kommunikation und die Stimmung im Team hervorragend seien, jedoch die neuen Handys des DFB unter den Spielern nicht funktionierten. Und ein paar Duschen sind scheinbar noch kalt.
Achja, Per Mertesacker war dann auch nochmal da, aber der wiederholte nur, was Friedrich vorher schon gesagt hatte.
Zusammenfassend eine ziemlich langweilige PK, aber was will man auch erwarten nach einer so kurzen Zeit im Hotel.
Ich glaube, dass ich es jetzt schon wagen kann eine Startformation für Sonntag abzugeben. Die meisten Positionen sind ja sowieso schon besetzt und die paar Wackelkandidaten sind auch nach dem Trainingsspiel A Mannschaft gegen B Mannschaft, dass im übrigen 5:3 für B ausging und nicht 3:3 wie n24 berichtete, nahezu sicher.
Im Tor steht Manuel Neuer ganz klar. Vor ihm in der Innenverteidung Friedrich (links) und Mertesacker (rechts). Rechter Aussenverteidiger wird Phillip Lahm sein. Die vakante Stelle auf der linken Seite wird vorraussichtlich Holger Badstuber einnehmen. Tolle Entwicklung für jemanden, dem zu Anfang der Saison nichts zugetraut wurde.
Die Doppelsechs bekleiden alternativlos Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira. Vorallem auf Khedira bin ich gespannt. Ich habe seine Entwicklung in den letzten Jahren immer mal wieder beobachtet und bin der absoluten Meinung, dass er ein gutes Turnier spielen wird. Er ist derjenige der Youngsters, um den man sich am wenigsten sorgen muss. Das Prunkstück von Deutschland ist dann davor die Dreierreihe um Podolski, Özil und Trochowski, wobei ich glaube, dass nach dem Australienspiel Thomas Müller den Platz von Trotsche einnimmt, ausser er schießt uns zum ersten Sieg. Und bei Trotsche weiß man ja nie...
Die Sturmspitze wird Miroslav Klose sein. Den Rufen der Medien zum Trotz, wird Löw ihn einsetzen. Alles andere wäre eine Überraschung.
Wer übrigens eine andere Mannschaft sieht, der möge sich bitte bei mir melden. Ich setze ein Bier als Wetteinsatz.

Das macht Lust auf mehr!

3:1, hört sich weniger an, als verdient gewesen wäre. Eine starke, ach was sage ich, überragende Nationalelf fegt Bosnien-Herzegowina vom Platz. Der Gegner hatte echt Glück, dass er nicht abgeschossen wurde. 2 Elfmeter wurden nicht gegeben, genauso wie eine Rote Karte gegen Emir Spahic. Aber auch das konnte nicht verhindern, dass Deutschland durch die Tore von Lahm und zweimal Schweinsteiger durch Elfmeter verdient gewinnt.
Allerdings ging das Spiel nicht wie geplant los. Nach circa 15 Minuten schoss Bundesligatorschützenkönig Edin Dzeko vom VfL Wolfsburg das 1:0 und zeigte dabei seine unheimliche Klasse. Aber dass die Bosnier Offensivabteilung Tore schießen kann, das war bekannt. Kommentator Steffen Simon gab nach dem Tor folgende Statistik bekannt. Die bosnischen Spieler, die in der Bundesliga spielen, kommen auf insgesamt 48 Tore. Im Vergleich dazu: 29 Tore, der gesamten deutschen Elf. Das die Zahlen. Aber nach dem Gegentor war davon nichts mehr zu sehen. Deutschland fabrizierte Chancen im Minutentakt, nur am Abschluss haperte es.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit kamen Cacau für den schwachen Miroslav Klose und Thomas Müller für „Trotsche“, der eine solide Leistung darbot, allerdings im Gegensatz zu Özil und Podolski im Mittelfeld etwas abfiel.
Und jetzt legte die Mannschaft los. Cacau belebte das deutsche Spiel und leitete auch den Ausgleich vom „Capitano“ Lahm vor. In der Folge beherrschte Deutschland die Bosnier nach belieben. Die Siegtreffer fielen dann allerdings nicht aus dem Spiel heraus, sondern durch 2 Elfmeter von Bastian Schweinsteiger. Vorallem die Elfmeter, herausgeholt von den Eingewechselten Müller und Marin, zeigten wie hilflos die bosnische Abwehr den Deutschen gegenüberstand, hätte es doch eigentlich insgesamt 4 Elfmeter geben müssen.
Was sind nun die Erkenntnisse aus diesem Spiel? Zu erst einmal das positive. Das Zusammenspiel zwischen Khedira und Schweinsteiger scheint zu funktionieren. Khedira nimmt dabei wohl eher den offensiveren Part ein, während Schweinsteiger im defensiveren Bereich die Bälle verteilt. Zwar hatte ich nach dem 1:0 das, auch physische, Gefühl, dass ein echter Ballack fehlt und niemand jetzt die Zügel in die Hand nimmt, aber es klapte auch so ganz gut, gerade weil Schweinsteiger voran ging.
Der Gewinner des Spiels war zweifelsohne Cacau. Im Gegensatz zu Klose war er torgefährlich und anspielbereit, leitete auch mal Chancen mit ein. Allerdings sollte man, bevor man jetzt einen Stammplatz für Cacau fordert, bedenken, was man an einem Klose hat, wenn er in Topform ist. Dann ist er ein Weltklassestürmer. Und das ist Cacau nunmal nicht. Abgesehen davon, darf sich Klose bei der WM solch eine Minusleistung nicht leisten. Sonst ist er natürlich raus.
Auf jeden Fall war das ein postiver Test und eine gelungene Generalprobe für das Spiel gegen Serbien, denn dafür war Bosnien ausgesucht worden. Für Serbien braucht es aber noch mehr offensive Durchschlagskraft, vorallem in Hinblick auf einen der besten Innenverteidiger der Welt Nemanja Vidic.
Ein kleiner Nachtrag noch zur gestrigen Top Ten. Die Fraktion hat jetzt zur WM eine Neuauflage ihres Songs „Schwarz Rot Gold“ aufgenommen. Allerdings ist es eher ein Fan Lied geworden. Auf jeden Fall hätte es sich mit den Lollies um Platz 1 gestritten. Hier ist dann der dazugehörige Youtubelink.