Eine Mannschaft mit demselben Hauch von Ballerinas wie von Bulldozern!

4 Stunden währte meine Freude über den überragenden 4: 0 Sieg einer glänzend aufgelegten deutschen Nationalelf. Danach kam ich dann dazu meinen Laptop anzuschmeißen und Berichte und Kommentare zu lesen. Es ist einfach nicht zu glauben, wie die deutsche Presselandschaft arbeitet. Vor dem Spiel wird gesagt, dass alle überzeugenden Testspiele nichts gelten, weil nur gegen schwache Teams getestet wurde. Es werde sich erst gegen Australien zeigen, wie gut die Mannschaft ist. Wie gut sie ist, dass haben Schweinsteiger und Co gestern eindeutig gezeigt. Und nun ist Australien auf einmal ein schwacher Gegner, kein Maßstab, man solle das 4:0 nicht überbewerten.
Ja, aber bitte liebe Herren (und Damen). Wann seid ihr verflucht nochmal zufrieden? So langsam bekommt man das Gefühl, dass selbst ein 3:0 Finalsieg gegen Brasilien nichts zählen würde. Vermutlich würde dann gesagt, dass Brasilien sowieso nicht das beste Team mehr ist usw. Nicht zum Aushalten.
Zum Spiel an sich muss nicht mehr viel gesagt werden. Jeweils einmal trafen Podolski, Klose (KLOSE, ja, das ist der dem garnichts mehr zugetraut wurde), Müller und Joker Cacau. Australien hatte eigentlich nie eine Chance, spätestens dann nicht mehr, als Cahill in der 56. Minute vom Platz flog. Ein rotwürdiges Foul habe ich zwar nicht gesehen, aber was solls.
Wenn man positive Berichterstattung heute lesen wollte, musste man schon auf die internationale Presse ausweichen.
So sagte die englische Daily News:
Diese Vuvuzelas sind nur ein Zehntel so nervig wie der Gedanke, dass Deutschland wieder ins Finale kommen wird.

The Sun berichtet:
Deutschland brachte Licht in die Weltmeisterschaft, als es in der letzten Nacht eine wahrhafte Fußball-Lehrstunde erteilte. Und es vervollständigte ein Wochenende voller Elend für alle englischen Fans.

In Spanien macht man sich auch schon in die Hose:
Dieses neue Deutschland ist ein Skandal! Deutschland blendete bei seinem Coming-Out in Südafrika. Das ist eine andere deutsche Mannschaft, die den Ball will und ihn mit Sorgfalt behandelt. Sie spielen Fußball mit Violinen.

Frisches Blut, alte Tugenden! Mit Özil als Taktgeber offenbarte Deutschland eine Erneuerung, die attraktiver und so wettbewerbsfähig wie immer macht. Mit Jugend und einer Vision ist Löws Team eine neue Art von Raubtier, befeuert durch ein legendäres Trikot und dem Emblem von fanatischer Wettbewerbsfähigkeit.

Der sympathischste Kommentar kommt aus Frankreich von der L'Equipe:
Tore, Leistung und Sieg! Deutschland hat es geschafft, Freude und Profit ebenso wie Fair Play und Effizienz zu verbinden. Und das ganz zur Freude von Trainer Joachim Löw und lasst uns das klar sagen auch der Fußball-Liebhaber, die von den bisherigen Spielen der WM frustriert waren.

Ähnliche weitere Kommentare dieser Art kommen aus Australien, Italien und der Schweiz.
Ich mein, ich verlange ja keine überschäumdende Berichterstattung, aber es wäre schön, wenn nicht immer alles gleich relativiert wird und man nie zufrieden ist.
Jetzt freu ich mich erstmal auf die Pressekonferenz in 10 Minuten. Da darf dann Jogi Löw auch ein wenig relativieren. Er muss ja auch dafür sorgen, dass unsere Jungs nicht abheben ;-)

Zurück aus der Informationslosigkeit

Nun bin ich auch endlich aus Prag zurück und kann eins sagen: Endlich wieder WM-Berichte. Tschechien scheint ja in Sachen Fussball nicht mehr ganz der Place to be zu sein nach der Nichtqualifikation für die WM. Dafür ist Eishockey wieder Sport Nummer 1. Tja, so ein Weltmeistertitel ist schon für so manches gut.
Die Deutschen Weltmeisterhoffnungen haben allerdings in den letzten Tagen (wiedereinmal) einen herben Dämpfer erleiden müssen nach dem Ausfall von Heiko Westermann. Das heißt nicht nur, dass die Defensive, die ohnehin nicht der stärkste Mannschaftsteil ist, einen weiteren Ausfall zu beklagen hat. Das heißt vorallem, dass der Allrounder, der eigentlich überall vom rechten Verteidiger bis zum defensiven Mittelfeldsipeler alles spielen konnte, fehlt.
Ich bin ganz ehrlich. Westermann ist einer der Spieler, dessen Ausfall mit am meisten weh tut. Vergleichbar mit einer Absage von Spielern wie Mertesacker, Özil, Klose oder Podolski. Westermann ist eine Stütze im Spiel, seine Vielseitigkeit wäre gerade in der jetzigen Situation Gold wert gewesen und er ist sehr zweikampfstark. Er hätte, darauf lege ich mich fest, eine sehr starke WM gespielt. Aber es nützt ja nichts hier weiter den "Was-wäre-wenns" hinterherzutrauern. Die Realität sieht anders aus und ich bin immer noch der Meinung, dass Deutschland es schaffen kann den Weltmeistertitel 2010 zu holen.
Viele fordern jetzt die Nachnominierung von Mats Hummels, der ein ähnlich vielseitiger Spieler ist und diese Saison bei Borussia Drtmund nicht nur zu einem Stammsieler, sondern auch zu einem Leistungsträger im Klopp'schen System geworden ist. Ganz ehrlich, diese Nachnominierung wäre genau das falsche Zeichen, dass Löw seinen Spielern senden könnte. Dies würde zeigen, dass er es seinen Spielern nicht mehr zutraut, entgegen allen Umständen, den Titel zu holen. Er würde damit auch die "Jetzt erst recht"-Mentalität, die sich ausbreitet, schon im Keim ersticken. Nein, eine Nachnominierung Hummels' oder gar des Schalkers Höwedes wäre falsch. Ihre Zeit wird kommen, da bin ich mir ganz sicher, aber die Zeit ist erst in 2 Jahren zur EM in Polen und der Ukraine.
Der Ausfall von Heiko Westermann hat aber auch etwas Gutes. Nur noch ein Spieler wird es nicht in das endgültige Aufgebot schaffen. Momentan verdichten sich die Gerüchte, dass der Leidtragende Stefan Kießling sein wird. Der Nationalcoach will sich aber erst heute Abend auf den endgültigen Kader festlegen.
Wenn es denn Kießling wird, ist dies erstmal nach den Ausfällen der letzten Wochen eine Entscheidung für die Defensive und nicht gegen Stefan Kießling. Man hört zwar immer wieder, dass Kießlings Leistung im Trainingslager ein wenig abweicht von den restlichen Stürmern, aber das wäre sicherlich nicht der Hauptgrund für seine Nichtnominierung.
Einhergehend mit dem Gerücht einen Stürmer nicht zu nominieren, geht ebenfalls das Gerücht um, Löw plane mit nur einer echten Sturmspitze und dahinter mit 3 offensiven Mittelfeldspielern. Ein verlockender Gedanke ohne Frage, würden die 3 Offensiven dann doch wahrscheinlich Özil, Kroos und Müller/Marin/Podolski heißen. Mal sehen wie sich Löw entscheidet. Hinweise darauf werden wohl erst am Donnerstag beim Spiel gegen Bosnien gegeben werden. Ich bin sehr gespannt, denn ich halte den Gedanken der 3 offensiven Mittelfeldspieler für überaus attraktiv.
Das negative Glanzlicht setze allerdings (wiedereinmal) Tim Wiese. Der  Bremer Schlussmann macht seinem Unmut über die Festlegung für ihn als Nummer 2 Luft und griff Löw an. Er sei nicht persönlich über die Gründe informiert worden. Das Thema ist wohl von den Medien wieder größer gemacht worden,Wiese selbst sagt, er werde immer noch alles für die Mannschaft geben und Manuel Neuer (der heute wegen Magenproblemen fehlte) wo es geht unterstützen. Trotzdem wirft es wiedereinmal ein schlechtes Licht auf den Bremer Torhüter, der genauso wie sein Teamkollege Torsten Frings beizeiten etwas beleidgt wirkt, wenn es um die Nationalmannschaft geht. Und er setzt damit das wichtigste, was die deutsche Elf besitzt, nämlich den Teamgeist und Zusammenhalt, aufs Spiel. Ich hoffe inständig, er hält sein Wort und unterstützt die Mannschaft und trägt zum Erfolg bei.
Fragezeichen stehen auch immer noch hinter Marcell Jansen. Ist er fit? Kann er 100% Leistung abrufen? Oder wird er aufgrund seiner Verletzung doch gestrichen? 
Dazu habe ich eine ganz klare Meinung: Sollte Jansen auch nur annähernd fit sein, gehört er in diese Mannschaft! Er hat bis zu seiner Verletzung eine Riesensaison gespielt, war der beste Spieler beim HSV in einer Zeit, in der der HSV nichts auf die Reihe bekommen hat und hat auch schon (im Gegensatz zu Teilen des restlichen Kaders) einige Erfahrung sammeln können. Der Bundestrainer wird (hoffentlich) wissen was er an ihm hat. Ausserdem ist auch Jansen vielseitig einsetzbar.
Zum Schluss noch eine Info aus dem Vereinsfussball. Gerald Asamoah wechselt von Schalke 04 zum statdinternen "Konkurrenten" St. Pauli. Find ich klasse. Da haben 2 sympathische Seiten zueinander gefunden. Asamoah hat sicherlich noch 2 gute Jahre und Schalke zu viele gute Leute, als dass er dort noch eine Chance gehabt hätte. Viel Glück Asa!